Interview mit Henriette, einer der Gründerinnen vom Sauberkasten

Das Team vom Sauberkasten hat ein DIY-Reinigerset kreiert, das die Nachhaltigkeit auf dein Geschirr, deine Wäsche, sowie Böden und Fenster zaubert. Nach dem Baukastenprinzip kannst du deine eigenen Reinigungsmittel herstellen und das Beste: sie sind umweltverträglich, gesundheitsverträglich, vegan und palmölfrei. Du weisst also genau, was in deinen Putzmitteln drinsteckt. Henriette, eine der Gründerinnen des Sauberkastens war so freundlich, uns einige Fragen zu ihrem Projekt zu beantworten. 

Hallo Henriette. Vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, mit uns ins Gespräch über euer Herzensprojekt zu kommen. Wie kam dir und Jeanette die Idee zum Sauberkasten?

Die Idee zum Sauberkasten hat Jeanette während ihrer Bachelorarbeit im Designstudium entwickelt. Die Fragestellung war, wie man mehr Nachhaltigkeit in seinen Alltag bringen kann und wie sie als Designerin diesen Prozess unterstützen kann.

Wie sind die Rezepte entstanden, habt ihr eigene Forschung betrieben? Machen die Reinigungsmittel nicht nur sauber, sondern besteht auch eine antibakterielle Wirkung?

In die Rezepte haben wir tatsächlich viel Arbeit gesteckt. Wir haben zunächst welche ausprobiert, die wir in Literatur und Internet recherchiert haben. Manches hat noch nicht so funktioniert, wie wir es uns vorgestellt haben. Darum haben wir sehr viel experimentiert, um die Wirkung zu verbessern. Als Nicht-Chemikerinnen war es aber nicht so einfach, die Wirkungszusammenhänge zu verstehen. Darum haben wir uns Nora, eine befreundete Biochemikerin, ins Boot geholt.  Sie hat uns vieles erklärt und uns bei der Entwicklung der Rezepte sehr unterstützt.

Einige der Zutaten im Sauberkasten, wie Essig oder die ätherischen Öle, wirken antibakteriell. Darüber hinaus sind wir aber der Meinung, dass scharfe Desinfektionsmittel nicht ins Zuhause gehören, sondern ins Krankenhaus (ausser ein Bewohner ist akut krank). Wer seine Wohnung klinisch rein hält, schadet seinem Immunsystem und trägt dazu bei, dass sich resistente Keime entwickeln können. Einfache Mittel wie Natron und Essig reichen völlig aus, um hygienisch sauber zu putzen.

Die Reinigungsmittel sind nicht nur Schadstofffrei, sondern tragen auch, da man sie selbst anmischt dazu bei, Verpackungsmüll zu sparen. Ist das ein praktischer Nebeneffekt oder war das wesentlicher Bestandteil bei der Konzeption des Sauberkastens?

Auf Schadstoffe oder schwer abzubauende Stoffe in Reinigern zu verzichten ist uns ebenso wichtig, wie Müllvermeidung. Es war von Anfang an so gedacht, dass man zum Abfüllen der selbstgemachten Reiniger seine Behälter wiederverwenden und so vor dem Müll bewahren kann. Bei unseren Verpackungen achten wir darauf, die Menge möglichst gering zu halten und nachhaltige Materialien zu wählen.

DIE AUSWIRKUNG HERKÖMMLICHER REINIGUNGSMITTEL

Pro Jahr werden über eine Million Tonnen Wasch- und Reinigungsmittel an die Deutschen Privathaushalte verkauft. Darunter ca. 630.000 Tonnen Waschmittel, 480.000 Tonnen Reinigungs- und Pflegemittel und ca. 220.000 Tonnen Weichspüler. Diese enormen Mengen werden noch durch gewerbliche und industrielle Reinigungsmittel ergänzt, zu denen selbst das Bundesumweltamt keine konkreten Zahlen liefern kann.

Allein die privaten Haushalte entsorgen 630.000 Tonnen sogenannten Chemikalieneintrag über das Abwasser. Hauptbestandteil dieses Chemikalieneintrages sind Tenside und Phosphate, aber auch über 8.000 Tonnen Duftstoffe, sowie Enzyme, Phosphonate, optische Aufheller und Silikone. Ergänzt wird der Chemiecocktail beispielsweise durch Enthärter und Bleichmittel. Einige dieser Bestandteile sind bereits in der Herstellung problematisch, da für sie Monokulturen angebaut und Regenwälder abgeholzt werden müssen. Im Abwasser verbleiben viele dieser Bestandteile, die die Umwelt zusätzlich belasten. Der Blog utopia.de hat sich intensiv mit den einzelnen Bestandteilen auseinandergesetzt und einen lesenswerten Artikel dazu veröffentlicht, den wir hier gerne verlinken:

die schlimmsten Inhaltsstoffe in Reinigungsmitteln

Es ist offensichtlich, dass die Bestandteile herkömmlicher Reinigungsmittel eine Vielzahl von Nachteilen mit sich bringen, denen kaum nennenswerte Vorteile gegenüberstehen. denn die Hausmittel, die der Sauberkasten liefert, sowie die Rezepte, die Henriette und Jeanette entwickelt haben, sind ebenso wirksam und gleichzeitig schonend für die Umwelt. Die chemischen Verbindungen, die sich aus dem mischen der Zutaten ergeben, sind für die Natur leicht zu verarbeiten und greifen unsere Komplexen Ökosysteme nicht an. Und durch Zugabe von den mitgelieferten ätherischen Ölen können die Reiniger mit einem wohlriechenden Duft versehen werden.

Wir selbst nutzen den Sauberkasten auch schon seit einiger Zeit und geben zu, dass man sich zu Beginn ein wenig umgewöhnen muss, einfach weil die Rezepte chemisch anders reagieren und beispielsweise weniger schäumen. Aber die Reinigungsleistung steht der, herkömmlicher Reinigungsmittel in nichts nach. Ganz im Gegenteil, gerade das Waschmittelrezept hat es uns angetan. Die Kleidungsstücke werden wunderbar sauber und unter Zugabe des Lavendelöls riecht die Wäsche sehr angenehm und viel weniger künstlich, im Vergleich zu den intensiven Duftstoffen der herkömmlichen Reinigungsmittel.

Wir Hundeeltern sind natürlich stets um die Gesundheit unserer Lieblinge besorgt. Wie häufig kommt es vor, dass sie über den noch nassen, frisch gereinigten Boden laufen und sich anschliessend die Pfoten “sauberlecken”  oder sie etwas vom Boden essen. Sind die im Sauberkasten enthaltenen Zutaten ungefährlich und ungiftig?

Die Reiniger, die man mit dem Sauberkasten herstellen kann, sind gerade für Haushalte mit Tieren, Kindern und Allergikern gut geeignet. Der Bodenreiniger z.B. besteht nur aus Wasser, etwas Essig und wenn man möchte ätherischem Öl, was man aber auch Weglassen kann. Der Essig verfliegt nach dem wischen recht schnell, und selbst wenn der Hund etwas aufschleckt ist es lediglich, als ob er ein sehr dünnes Salatdressing ohne Gewürze kostet.

Habt ihr euch schon vor der Entwicklung des Sauberkastens mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigt? Welchen Stellenwert hat Nachhaltigkeit insgesamt in eurem Leben?

Ja, wir haben uns schon vor dem Sauberkasten für eine nachhaltige Lebensweise interessiert. Seitdem wir uns aber tagtäglich auch beruflich mit dem Thema befassen, hat es einen noch grösseren Stellenwert bekommen, auch im Privaten. Nicht nur der Haushalt sondern auch Ernährung, Körperpflege, der Einkauf oder Reisen sind Bereiche, in denen wir uns um nachhaltiges Handeln bemühen und immer wieder Neues ausprobieren.

“WIR WÜNSCHEN UNS, DASS DER SAUBERKASTEN DEN WEG DAFÜR BEREITET, AUCH IN ANDEREN LEBENSBEREICHEN ALTE GEWOHNHEITEN ZU HINTERFRAGEN.“

Welche Vision habt ihr für den Sauberkasten?

Wir wünschen uns, dass der Sauberkasten vielen Menschen hilft, mehr Nachhaltigkeit in ihren Haushalt zu bringen und den Weg dafür bereitet, auch in anderen Lebensbereichen alte Gewohnheiten zu hinterfragen. Ausserdem kreisen unsere Gedanken schon um neue DIY-Sets für einen nachhaltigen Alltag, auf die wir uns schon sehr freuen.

Vielen Dank, Henriette, dass du uns in eure Philosophie eingeweiht hast. Was einst als Problemstellung in einer Bachelorarbeit ausgearbeitet wurde, hat sich zu einem realen Produkt entwickelt, von dem Mensch, Tier und Natur profitieren. Besonders toll finden wir, dass ihr euch nicht nur Gedanken über die Zusammensetzung der Reinigungsmittel gemacht habt, sondern auch, wie ihr den Sauberkasten selbst möglichst nachhaltig gestalten könnt. Der Sauberkasten ist bis auf die Schläuche und Spender plastikfrei entwickelt worden. Die Behältnisse zum Aufbewahren der Reinigungsmittel sind aus Glas, Trichter und Löffel aus Edelstahl und der Kasten selbst aus Holz. Das macht ihn nicht nur lange haltbar und wiederverwendbar sondern schont auch die Umwelt, da diese Stoffe recycelt werden können. Daneben habt ihr euch auch Gedanken gemacht, wie die Produktion des Sauberkastens fair gestaltet werden kann und arbeitet mit Werkstätten der Diakonie und der Lebenshilfe zusammen. Man merkt wirklich, wie viele Gedanken ihr euch darum gemacht habt, ein faires, nachhaltiges und bezahlbares Produkt zu entwickeln. Mit dem Sauberkasten passt ihr voll in den Geist der Zeit und wir sind schon sehr gespannt, welche Alltagsbereiche ihr mit eurer Philosophie noch revolutionieren werdet.

Das Reinigungsset sowie einzelne Bestandteile oder Nachfüllsets findest du auf der Website des Sauberkastens. Darüber hinaus taucht er auch in mehr und mehr Unverpacktläden auf. Wir wünschen dir viel Spass beim Austesten und Anwenden.